"EU schützt gegen neue Dimension der Globalisierung"
Die Europäische Union (EU) ist aus Sicht des deutschen EU-Kommissars Günter Verheugen eine Erfolgsgeschichte. Die europäische Integration sei „das stärkste und wirkungsvollste Mittel, das wir haben, um in einer völlig neuen Dimension der wirtschaftlichen Globalisierung unsere Arbeitsplätze zu verteidigen“, sagte Verheugen der „inform“, dem Magazin der TRANSNET.
EU-Kommissar Günter Verheugen
Globalisierung sei „nichts neues“, so der SPD-Politiker. „Es waren nicht China, Indien oder Sierra Leone, die uns die Globalisierung aufgezwungen haben, sondern sie ist das Ergebnis der Politik der westlichen Industriestaaten.“ Heute aber sei die Globalisierung in eine neue Phase getreten. „Und sie ist jetzt geprägt durch mehr Wettbewerb zwischen den Regionen auf vergleichbarem technischem Niveau. Es entstehen neue technologische und ökonomische Supermächte, aber vor allen Dingen entstehen gigantische Märkte.“ Europa sei heute „einem Wettbewerb ausgesetzt mit Regionen, die viel größere Märkte, viel billigere Arbeitskräfte haben, die Rohstoffe haben, und einen gewaltigen Nachholbedarf. Und diesem Wettbewerb können wir uns nur stellen, wenn wir unsere Kräfte zusammenfassen und uns auf unsere Stärken konzentrieren.“
Verheugen verteidigte zugleich das europäische Sozialmodell, das auf vier Säulen ruhe: hohe politische Standards, hohe soziale Standards, gute Einkommen und Lebensqualität und hohe Umweltstandards. „Wir brauchen eine Politik, die es uns ermöglicht, unsere Standards zu verteidigen. Das können wir nur, indem wir genau so viel besser sind als die anderen, als wir teurer sind.“
Zu dieser Politik gehörten auch Mindeststandards. Indirekt sprach sich der EU-Kommissar daher auch für die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen aus. „Ich weiß von keinem einzigen Mitgliedsland, das mit dem Mindestlohn auch nur die geringsten Problem hätte. Das ist ein Modell, das die Deutschen sich zumindest sehr genau ansehen sollten.“
Das Interview wird in der nächsten gedruckten Ausgabe der „inform“ erscheinen. Es ist auch online unter http://www.inform-online.org abrufbar.
