Sechs Zugpaare verbinden täglich Frankfurt und Amsterdam auf direktem Weg. Die beiden Großstädte liegen so nur noch drei Stunden und 52 Minuten voneinander entfernt. Atenta hat sich mit den Eisenbahnern auf den Weg nach Amsterdam gemacht und ein Stimmungsbild über die Arbeit auf dieser internationalen Strecke eingefangen.
Der ICE 3 "Amsterdam" im Zielbahnhof Amsterdam.
An ihren Uniformen kann man sie nicht mehr unterscheiden, die holländischen und die deutschen Kollegen. Sie sind im DB-Stil gekleidet und lediglich auf ihren roten Krawatten ist dezent abgesetzt der Schriftzug „ICE International“ zu lesen.
Von Frankfurt bis Amsterdam war Lokführer
Bert van Drogelen Chef im Cockpit des
ICE "Amsterdam". Der 42-jährige fährt seit
drei Jahren diese Strecke.
Und international geht es in diesem Zug wirklich zu. So ertönen die Ansagen stets mehrsprachig (deutsch, niederländisch und englisch) und auch die Faltblätter mit den Reiseinformationen sind in Holländisch und Deutsch verfasst.
In der Hochsaison wird's eng für Torsten Reutzel
und seine Kollegen.
Wir sind mit Torsten Reutzel von Frankfurt nach Amsterdam unterwegs. Seit 21 Jahren ist der 37jährige bereits bei der Bahn. Er hat alle Hände voll zu tun, „die Züge sind immer mit einem Zugchef und einem Betreuer besetzt. Hinzu kommen im gastronomischen Bereich zwei Mitarbeiter vom Service“, schildert er uns die Besetzung auf dieser Strecke. Seit 2003 ist er hier unterwegs und weiß, dass in der Hochsaison im Sommer diese Personalbemessung nicht ausreicht. Der engagierte Eisenbahner zeigt sich ärgerlich darüber, dass der Bahn in dieser Zeit wertvolle Einnahmen verloren gehen, „weil das zu zweit einfach nicht zu bewältigen ist“. „Die Fahrkartenkontrolle, das Ausstellen von Fahrscheinen und die Beantwortung der vielen Fragen der Reisenden sind dann einfach nicht zu schaffen“, schildert der Zugchef seine Erfahrung.
Stets sind gemischte Teams unterwegs. Von Frankfurt nach Amsterdam ist der deutsche Eisenbahner Zugchef, in den Zügen von Amsterdam nach Frankfurt ein holländischer Kollege. Die Arbeit erfolgt Hand in Hand und schließlich sorgt eine einheitliche Ausbildung für den gleichen Wissensstand. In regelmäßigen Abständen müssen die Zugchefs einen Wissensnachweis erbringen und werden bei dieser Gelegenheit über wichtige Neuerungen in Holland und in Deutschland unterrichtet.
Christoph Dorschel unterwegs auf dem Weg
zur Schulung in Köln.
Auf der Fahrt zu einer solchen Schulungsveranstaltung treffen wir Christoph Dorschel. Seit eineinhalb Jahren fährt der 43jährige als Zugchef von Frankfurt nach Amsterdam. Sein Resümee: „Wir haben vorwiegend sehr nette Reisende in diesen Zügen und treffen auf viele verschiedene Nationalitäten.“ Er sieht in der „ICE International-Mannschaft“ so etwas wie eine „kleine Familie“. Christoph Dorschel: „Das macht das Arbeiten sehr angenehm.“
Johan Dupain ist sehr zufrieden mit dem Verfahren
zur Gestaltung der Einsatzpläne in Holland.
Johan Dupain ist Holländer und fährt als zweiter Mann von Frankfurt nach Amsterdam. Am Tag zuvor war er als Zugchef mit dem letzten Zug aus Amsterdam in Frankfurt eingetroffen. Er berichtet uns von den günstigen Arbeitsbedingungen der holländischen Besatzung. Sie arbeiten 36 Stunden in der Woche und bekommen die Pläne der Züge, die in Amsterdam starten vorgelegt. Sie können dann gemeinsam im Kollegenkreis aussuchen und entscheiden, welche Dienste sie übernehmen. Nach zwei Wochenenden Arbeit steht am dritten Wochenende Freizeit an. Sie geht von Freitagabend bis Montagfrüh. Wenn die Kollegen ihre Pläne so gestalten, dass freie Tage gekoppelt werden können, kommen durchaus vier bis fünf Tage Freizeit am Stück zusammen. Außerdem weiß jeder Beschäftigte schon zwei Monate im voraus, welche Wochenenden für ihn frei sind. Bei der holländischen NSI sind auf der ICE-Strecke Amsterdam – Frankfurt und der Intercity-Strecke Amsterdam – Osnabrück 30 Zugbegleiter und 20 Lokführer eingesetzt. Johan Dupain geht davon aus, dass nach Ausbau der Strecke in Richtung Hannover wohl auch dort gemischte Teams fahren werden.
Rolf Rahier genießt es, dass sich die Kollegen
untereinander gut kennen und sehr gut mitein-
ander arbeiten.
Seit 1976 ist Rolf Rahier bei der Bahn. Der Zugchef fährt seit Gründung der Amsterdam-Verbindung im Jahr 1999 von Köln aus diese Strecke. Zunächst waren es Eurocitys, die mit Kölner Personal über die Grenze fuhren und ab dem Jahr 2000 verkehrte der ICE 3 bis zur Fertigstellung der Neubaustrecke zunächst von Köln nach Amsterdam. Auch dem 45jährigen macht sein Job Spaß und er merkt an: „Es ist sehr angenehm, in einem solchen „Kleinbetrieb“ zu arbeiten. Jeder kennt Jeden und das ist schließlich in anderen Bereichen der DB schon längst nicht mehr der Fall.“
Für's leibliche Wohl im Bord-Bistro des ICE 3
sorgt als Steward Ali Avid.
Ali Avdi ist seit sechs Jahren im Gastrobereich der DB tätig. Seit drei Jahren wird er auf der Strecke Frankfurt – Amsterdam als Steward eingesetzt. Ursprünglich stammt der 31jährige aus Südmazedonien.
Pardeep Kumar Sharma unterwegs zum Service
am Platz. An seinen freien Tagen geht's nach
Kent zum Rasenmähen.
Aus Indien stammt Pardeep Kumar Sharma. Der 47jährige ist erst seit drei Monaten auf der Strecke Frankfurt – Amsterdam unterwegs. Zuvor fuhr er rund zehn Jahre vorwiegend im ICE 1. Der sympathische Steward pendelt nicht nur zwischen Frankfurt und Amsterdam, sondern er fährt auch jedes freie Wochenende durch den Kanaltunnel nach Kent, wo er sich in Sittingburn ein Haus gekauft hat. Auch am Tag vor unserem Gespräch kam er gerade vom Rasenmähen aus Kent zurück.
Ari Kamalathasan sorgt unterwegs für Sauberkeit.
Damit sich die Reisenden auch wirklich während der Fahrt wohl fühlen, sorgt der Unterwegsreiniger Ari Kamalathasan aus Sri Lanka für die Sauberkeit an Bord des ICE 3.
Text und Fotos: Frank Hercher (TRANSNET)