Krise gefährdet 50 Millionen Arbeitsplätze
Die aktuelle Wirtschaftskrise könnte weltweit zum Verlust von mehr als 50 Millionen Stellen führen, so der jüngste Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über Globale Beschäftigungstrends. In ihrem Bericht stellt die IAO fest, dass im Jahr 2009, je nach der Tiefe der Rezession und der Wirkung der Konjunkturprogramme, zwischen 18 und 30 Millionen Menschen weltweit ihre Arbeit verlieren könnten. Wenn sich die Situation weiter verschlechtern sollte sogar mehr als 50 Millionen.
Überdies schätzt die IAO die Zahl derer, die vor allem in den Entwicklungsländern in absolute Armut zurückfallen könnten, auf rund 200 Millionen. Die globale Wirtschaftskrise dürfte zu einem dramatischen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen, der ungesichert Beschäftigten und derer, die trotz Arbeit nicht über die Armutsgrenze kommen, führen.
„Die Vorhersagen der IAO sind realistisch und keine Panikmache“, sagte IAO-Generaldirektor Juan Somavia. Er machte deutlich, dass die Weltbevölkerung vor einer globalen Beschäftigungskrise stehe. Viele Regierungen seien sich dessen bewusst und handelten entsprechend, aber um eine globale soziale Rezession zu verhindern, seien noch entschiedenere und international koordinierte Anstrengungen nötig. Die erzielten Fortschritte bei der Armutsbekämpfung könnten zunichte gemacht werden. Auch die Mittelschicht gerate weltweit zunehmend unter Druck. Dies habe möglicherweise dramatischen Folgen für die Politik und die globale Sicherheit sagte Somavia.
IAO-Generaldirektor Juan Somavia
Die Krise zeige die Bedeutung der IAO-Agenda für menschenwürdige Arbeit. Er forderte die Teilnehmer am geplanten Finanzgipfel der G20 am 2. April in London auf, Maßnahmen zur Förderung von produktiven Investitionen, menschenwürdiger Arbeit und sozialem Schutz zu beschließen und ihre Politik entsprechend zu koordinieren.
In einer anlässlich des vom 27. Januar bis 1. Februar 2009 in Belem (Brasilien) stattfindenden Weltsozialforums veröffentlichten Erklärung ging auch der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) auf die Besorgnis erregenden Entwicklungen ein: Die Finanzkrise habe "bereits existierende wirtschaftliche Probleme in allen Teilen der Welt verschlimmert" und der Mangel an angemessenen Beschäftigungsmöglichkeiten in Entwicklungsländern werde durch hohe Lebenshaltungskosten und Nahrungsmittelknappheit noch extremer.
IGB-Generalsekretär Guy Ryder sagte in einer Stellungnahme: "Es geht darum, unverzüglich ein neues Wachstumsmodell zu entwickeln – ein Modell, das auf Regulierung der Marktkräfte basiert und umweltfreundliches Wachstum erzeugt, sowie gleichzeitig im Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ein breites Spektrum von Möglichkeiten eröffnet.“
Frank Hercher (TRANSNET)
