1,8 Millionen Pendler in Österreich
In Österreich pendelt etwa jeder zweite der rund 3,6 Millionen Erwerbstätigen, das heißt: 1,8 Millionen pendeln täglich in eine andere Gemeinde zur Arbeit. Aus Niederösterreich und dem Burgenland pendeln täglich 220.000 Menschen nach Wien. Fast drei Viertel der Wien - Einpendler kommen mit dem Auto, die übrigen fahren mit Bahn und Bus. Im Schnitt braucht ein Pendler jedes Jahr 500 Stunden für den Weg zur und von der Arbeit.
Gestresst und mit deutlich schwächerer Arbeitsleistung erreichen die vielen Millionen Pendler in Europa ihre Arbeitsplätze. Eine neue Studie der Arbeitskammer Wien zeigt erschreckende Zahlen für Österreich auf.
Foto: Frank Hercher
"Der Arbeitsweg bestimmt die Lebensqualität der Pendler entscheidend mit", sagt die Verkehrsexpertin der Arbeiterkammer Wien (AK), Sylvia Leodolter. „Pendeln belastet nicht nur das Börsel und die Freizeit, sondern beeinträchtigt auch die Arbeitsleistung und die Gesundheit.“
Eine AK Studie "Überfordert durch den Arbeitsweg?" zeigt: Pendeln verursacht Ärger und Stress. Fünf von zehn Frauen und vier von zehn Männern empfinden das tägliche Pendeln als Belastung. Ein langer Arbeitsweg macht Stress. Pendlerinnen und Pendler, die mehr als eineinhalb Stunden für eine Fahrt zum Arbeitsplatz brauchen, klagen bereits in der Früh über Zeitdruck und Übermüdung.
Bahn- und Bus-Pendler leiden häufiger an körperlichen Beschwerden und Erschöpfung. Als Ursache sehen sie lange Fahrzeiten, langes Warten oder häufiges Umsteigen. Autopendler empfinden schon kurze Fahrzeiten als Belastung. Steigen Pendler bis zu viermal um, sind sie doppelt so stark beansprucht wie Pendler, die nicht oder nur ein- oder zweimal umsteigen.
Starke Belastungen durch das Pendeln können zu Bluthochdruck, Schweißausbruch oder Konzentrationsmangel führen. Damit Pendler weniger Stress und Ärger haben, müssen ihnen die Arbeitswege erleichtert werden.
Daher fordert die Arbeiterkammer eine optimale Abstimmung aller Verkehrsmittel und Anschlüsse, das heißt kürzere Fußwege von einem Verkehrsmittel zum anderen, Vermeidung und Beseitigung von Barrieren, ausreichende Park & Ride-Anlagen sowie bessere Informationen und mehr Komfort bei Bahn, Bus und an Haltestellen.
Vorraussetzung hierfür sei eine klare Zuständigkeit und Verantwortlichkeit des Bundes für den öffentlichen Verkehr. Eine weitere AK-Forderung ist die finanzielle Entlastung der Pendler.
In der AK Studie "Überfordert durch den Arbeitsweg?" wurden erstmals in Österreich Belastungsfaktoren des Arbeitsweges analysiert. Dabei wurden die Ergebnisse von drei Pendlerbefragungen aus den Jahren 1999 und 2001 sowie eine wissenschaftliche Pendlerbefragung von Psychologen der Uni Wien verglichen.
AK / herc (TRANSNET)
