Beitrag von TRANSNET    Startseite Impressum Kontakt Seite drucken

EVA-Projekt für Europäischen Betriebsrat vorgestellt

Der wissenschaftliche Leiter der Europäischen Akademie für umweltorientierten Verkehr (EVA), Alois Weis, stellt anlässlich der Sitzung des Europäischen Betriebsrats (EBR) das Projekt „Grenzüberschreitende Kommunikations- und Kooperationsstrukturen im DB Konzern“ vor. Es wird von der EU finanziell gefördert, ist bis Januar 2007 terminiert und richtet sich an europäische Betriebsräte, an Führungskräfte der DB und an europäische Verkehrsgewerkschaften. Geplant sind im Frühjahr 2006 zwei regionale Workshops, in Amsterdam und in Tallinn. Die Projektabschluss-Veranstaltung ist zur EBR-Sitzung im Januar 2007 vorgesehen.


Den Projekt-Hintergrund bilden der Wandel der DB AG vom nationalen Bahnunternehmen zum international führenden Mobilitäts- und Logistikanbieter und die strategische Neuausrichtung des DB Konzerns. Die Auswirkungen der Internationalisierung, zum Beispiel unterschiedliche Arbeits- und Sozialstandards, verschiedene Modelle der Interessenvertretung usw., sollen mit dem Projekt untersucht werden, um sie transparenter und besser verstehbar zu machen. Mittels Konfliktmanagement sollen Probleme frühzeitig erkannt und entschärft werden. Voraussetzung dafür sind ausgeprägte Kommunikationsstrukturen - praktisch eine Art Frühwarnsystem - und eine tragfähige Vertrauensbasis.
Das Projekt soll rasch ein praxisnahes Konzept zum Informations- und Kommunikationsmanagement initiieren, den Erfahrungsaustausch zwischen Interessenvertretern unterschiedlicher Systeme in Europa anschieben und nicht zuletzt die Mehrsprachigkeit in den Gremien fördern. Insgesamt will das Projekt einen Beitrag zur erfolgreichen Integration aller beteiligten Unternehmen in den DB Konzern leisten.

Die Herzen erreichen

Als Gastreferent zum Thema “Transnationale Interessenvertretung im DB Konzern“ erinnerte TRANSNET-Vorsitzender Norbert Hansen an jene Zeit, in der die Bahn noch als nationales staatliches „Versorgungsunternehmen“ tätig war, das seine Rolle ausschließlich von der Politik zugewiesen bekam. Hansen zeigte auf, wie sich die politischen Rahmenbedingungen immer weiter hin zur Straße verschoben und wie die Bahn, speziell ihr Güterverkehr, buchstäblich ins wirtschaftliche Hintertreffen rollte. Der Gewerkschaftschef: "Ja auch früher gab es bereits weiterführende Verkehrsangebote der Bahn mit Bussen, Lkw oder Schiffen, während das heute vom DB Konzern als Neuerfindung verkauft wird. Wir sollten stolz sein auf das, was die Eisenbahner in den letzten 30 Jahren gemeistert haben."

Als heutiger moderner Dienstleister für die gesamte Mobilitätskette brauche die Bahn die Strategie des integrierten Konzerns, die im Interesse der Beschäftigten auch von den Tarifpartnern massiv unterstützt werde. Seit eh und je hätten Eisenbahner, oft über mehrere Generationen hinweg, ein besonderes Berufsverständnis, das dürfe im neuen Mobilitätskonzern nicht verloren gehen. Hansen: "Und weil sich europaweit die Politik gern einmischt, brauchen wir einen starken Europäischen Betriebsrat, eigentlich einen Weltbetriebsrat, um überall dort präsent zu sein, wo Entscheidungen fallen."
Auch die Gewerkschaftsarbeit sollte schneller werden. Aus dem nationalen Arbeitnehmerbewusstsein müsse sich rasch ein europäisches Bewusstsein entwickeln, damit beispielsweise ein Missbrauch von Lohnunterschieden europäischer Dienstleister erst gar nicht passiert. Norbert Hansens Appell: "Wir müssen die Herzen der Menschen erreichen!"

Internationalisierungsstrategien

Als Vertreter der Zentralen Leitung begrüßten der EBR den Leiter Konzernentwicklung, Dr. Alexander Hedderich. Er erläutert die 'Internationalisierungsstrategie des DB Konzerns' und unterstreicht das Ziel der DB, größtes europäisches Schienenverkehrsunternehmen zu werden. Schritte dorthin seien zum Beispiel das noch junge Joint Venture 'Rheinalp' mit der SBB zum Alpentransit oder die DB-SNCF-Kooperation 'RHEALYS', der Hochgeschwindigkeitsverkehr Frankfurt/M. - bzw. Stuttgart - Paris ab 2007. Bis dahin solle es auch anstelle bilateraler Kooperationen multilaterale Plattformen für den europäischen Schienengüterverkehr (SGV) geben. Nahezu ideal ergänze BAX Global das DB-Angebot weltweit. Zur noch besseren Integration würden Schenker-Führungskräfte an der DB Akademie konsequent geschult, erklärt Dr. Hedderich.

In der Diskussionsrunde mahnt der stellvertretende EBR-Vorsitzende und Schenker-Betriebsrat Klaus Voegele, dass die Schenker-Familie von der Mutter Bahn nicht erdrückt werden dürfe.

Projektbedeutung

Die 'Bedeutung des Projekts für den EBR' erläutert dessen Vorsitzender Günter Kirchheim. Er unterstreicht und bekräftigt die Worte Norbert Hansens. Sie treffen auch seine Einschätzung. Im EBR träfen gegenwärtig sehr unterschiedliche soziale Beschäftigungsbedingungen der zehn beteiligten Länder aufeinander. Hier müsse schnell vieles zusammenwachsen, damit der EBR alle betroffenen Arbeitnehmer angemessen vertreten könne. Kirchheim: "Dazu sollten wir alle an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen." Das Projekt biete die Möglichkeit, dem EBR indirekt fachkundige Begleitung angedeihen zu lassen.
Der EBR-Vorsitzende umreißt das Tableau des Handelns: "Eine Abwärts-Spirale bei Löhnen und Arbeitsbedingungen wird der EBR nicht akzeptieren. Um die Interessen wirksam zu vertreten, sind gegenseitige und rechtzeitige Informationen und ein Kommunikationsnetzwerk unerlässlich. Der länderübergreifende Solidaritätsgedanke gehört in die Mitte des EBR, ein gegen einander Ausspielen wird strikt abgelehnt. Erfolgreiche EBR-Arbeit wird auf die nationalen Mitwirkungsrechte positiv ausstrahlen."

Fazit: Das Projekt wird den EBR in seinem Bemühen um ein Gefühl der Gemeinsamkeit, zu offener und ehrlicher Kommunikation und letztlich zu gemeinsamen Aktionen beflügeln. Günter Kirchheim fordert alle europäischen Betriebsräte zur aktiven Projektmitarbeit auf.
Hella Krannich (KBR) / herc (TRANSNET)

Anfang der Seite