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Netzwerke wichtig im liberalisierten Eisenbahnsektor

Am 9. und 10. November hatte die Europäische Akademie für umweltorientierten Verkehr EVA nach Berlin zu einer Konferenz über die Schaffung von Netzwerken für die Koordinierung von Tarifstrategien im europäischen Eisenbahnsektor eingeladen. Die Idee wurde als europäisches Projekt anerkannt und soll mit einer Abschlussveranstaltung voraussichtlich im Mai 2007 anlaufen. Zielgruppen sind die Eisenbahnergewerkschaften, die einen Bedarf an Kooperationsstrukturen sehen.


Als schon bestehende Netzwerke wurden das deutschsprachige Vierländertreffen der Gewerkschaften TRANSNET, GDBA, GdEÖ, SEV und FNCTTFEL, die Kooperation der Nordeuropäischen Gewerkschaften und die Zusammenarbeit der Gewerkschaften im SIBELIT-Verkehr vorgestellt.

Die anwesenden Vertreter der Gewerkschaften aus 18 europäischen Staaten gingen sich einig, dass die Schaffung solcher Netzwerke sehr wichtig werden im Rahmen des sich grundlegend verändernden Eisenbahnsektors mit dem Verschwinden der Monopole und den immer mehr auf den Markt drängenden neuen Unternehmen. Im Vereinigten Königreich gibt es mittlerweile über 200 Eisenbahnunternehmen. Die Kollegen aus Polen berichteten von der Niederlassung von 80 neuen Unternehmen.

Auf drei Themen sollen sich die Netzwerke konzentrieren: Informationsaustausch, gemeinsame Handlungsstrategien im für die Konkurrenz geöffneten Eisenbahnmarkt und die Aufstellung von gemeinsamen Forderungen.

Netzwerke können von vielfältiger Art sein. Sie können helfen bei Tarifverhandlungen unter besonderer Beachtung des Sozialdumpings, bei Verhandlungen über Arbeits- und Sozialbedingungen, beim grenzüberschreitenden Verkehr, bei grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten und auch bei der Niederlassung von neuen Eisenbahnunternehmen. Mit dieser Aufzählung sahen die Teilnehmer die Themen selbstverständlich nicht ausgereizt. Sicher werden noch weitere Pisten verfolgt. Auch das Verhältnis Gewerkschaften-Unternehmensleitungen soll ein Thema werden.

Ein erster zu machender Schritt muss die Schaffung von Informationsinstrumenten respektive eines Informationszentrums sein, die aber nur dann nützlich sein werden, wenn sie stets aktuell gespeist und mit Leben gefüllt sind.

Als gemeinsames Kommunikationsmittel wurde die Einrichtung eines elektronischen Nachrichtendienstes, die Nutzung eines Internetportals und die Ausarbeitung von Factsheets für präzise kurz gefasste Informationen genannt. Mit dem atenta-Portal der deutschsprachigen Eisenbahnergewerkschaften wurde schon vor zwei Jahren ein gut funktionierendes Informationsinstrument geschaffen.

Wichtig auch als Zuarbeiter für die Aktivitäten und Strategien der ETF sind Branchen bezogene Netzwerke: Lokführer, Zugführer, Frauen, die schon im Rahmen des Vierländertreffens funktionieren.

In einer nächsten Etappe werden bis zum Workshop Ende Januar 2007, zwei sollen insgesamt bis Mai stattfinden, die Handlungsfelder genauestens definiert und die Machbarkeiten ausgelotet.

In derselben Sitzung war auch interessant die Präsentation einer neuen in Deutschland konstituierten Vereinigung Mobifair, die sich mit dem unfairen Wettbewerb in den Transportbranchen Schienen- und Busverkehr, Güterverkehr und verkehrnahe Dienstleister auseinandersetzt und als Ziel hat die „schwarzen Schafe“ aus dem Verkehrsmarkt auszusortieren oder sie zumindest auf den rechten Weg zu führen. Weitere Informationen unter www.mobifair.eu.
Guy Greivelding / FNCTTFEL

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