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Strategiekonferenz der Eisenbahngewerkschaften

Auf Einladung der EVA Akademie und der TRANSNET trafen sich Vertreter der Eisenbahngewerkschaften aus zwölf Ländern Mittel- und Osteuropas in Liebenberg bei Berlin, um die Vertretung ihrer Interessen auf europäischer Ebene zu beraten. Nach der Begrüßung und Eröffnung durch den Geschäftsführer der EVA Akademie, Egon Brinkmann, und den Vorstandssekretär der TRANSNET, Rolf Lutzke, berichteten die Teilnehmer aus den Ländern Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Lettland, Litauen, Mazedonien, Rumänien, Slowenien, Türkei, Ukraine und Deutschland über die Situation der Eisenbahnen in ihren Ländern und stellten die Bedeutung internationaler Kooperationen aus ihren Perspektiven dar.

Der deutsche Bahnchef, Hartmut Mehdorn (links) schilderte seine Sichtweise auf die Zukunft der Eisenbahnen in Osteuropa. Unser Foto zeigt neben ihm Egon Brinkmann (EVA) und Rolf Lutzke (TRANSNET).


Savelijs Semjonovs, Präsident der Rail and Transport Industry Trade Union aus Lettland, betonte, dass besonders in den Transitländern des Baltikums der Güterverkehr für privates Kapital interessant ist.

Für die Eisenbahn in Litauen wies der Vorsitzende der Federation of Railway Workers’ Trade Union, Vilius Ligeika, darauf hin, dass der Sicherheitsaspekt und die Modernisierung der Bahn zukünftig eine wichtige Rolle spielt.

In der Ukraine ist die Entwicklung der Eisenbahn, die zu hundert Prozent in Staatsbesitz ist, abhängig von den schnellen Wechseln in der politischen Landschaft und der Privatisierungspläne, so der Präsident des Trade Union Council of Railway Workers and Transport Constructors, Vadym Tkachov.

Der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft Drum de Fier in Rumänien, Florin Dobrescu, musste für die Reorganisation der Eisenbahn in Rumänien feststellen, dass dieses ohne Sozialplan geschah und die Gewerkschaften nicht mit einbezogen wurden, was zu erheblichen Problemen geführt hat.

Für Ungarn merkten István Gasko, Vorsitzender der Free Trade Union of Railway Workers und Zoltan Papp, Internationaler Sekretär der Trade Union of Hungarian Railwaymen an, dass es Ziel ist, einen gemeinsamen Tarifvertrag für die ungarische Eisenbahn zu bekommen, denn nur gemeinsame Aktivitäten der Gewerkschaften können zum Erfolg führen.

In Slowenien, so der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lokführer Zlatko Ratej, verhandeln die Gewerkschaften gemeinsam sehr erfolgreich.

Der Generalsekretär der Demiryol-IS, Hüseyin Kaya, berichtete für die Türkei, dass es keine Trennung der Güterverkehrssparte aus der Staatsbahn geben wird, denn dafür bedürfe es einer Gesetzesänderung. Es hat zwar bisher keine Entlassungen gegeben, aber einen Einstellungsstopp.

Für die Eisenbahn in Griechenland stellte der Organisationssekretär der Panhellenique Railways Federation, Iatropoulos Panagiotis, fest, dass das Ziel des privaten Kapitals, maximalen Profit zu erreichen, für die griechische Eisenbahn die Halbierung der Anzahl der Mitarbeiter bedeute. Privatisierung ist ein Thema, das auf europäischer Ebene diskutiert werden sollte.

Der Vorsitzende der Federation of Transport Workers Podkrepa, Rozen Zarkov, erläuterte, dass das Eisenbahnunternehmen in Bulgarien in Staatsbesitz ist und in einem geöffneten Markt operiert. Die Zusammenarbeit mit der ETF hat in Bulgarien gut funktioniert.

In Mazedonien kommt zum schlechten Zustand der Infrastruktur die demografische Herausforderung eines Altersdurchschnittes von 52 Jahren bei der Bahn, informierte der Generalsekretär der Association of Independent Trade Unions Zeleznicari, Zivko Nikolovski. Die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Tarifverhandlungen werden nicht eingehalten.

Mit einem Beispiel aus Kroatien wurde ein mögliches Best Practice Modell für die unterstützende Beratung in Umstrukturierungsprozessen erläutert. Branko Kres, Vorsitzender der Eisenbahner Gewerkschaft in Kroatien, beschrieb das Vorgehen der Gewerkschaft. Neu erarbeitete Vorschläge wurden der Unternehmensleitung vorgestellt und als Alternativen erwogen.

Deutscher Bahnchef Hartmut Mehdorn zu Gast

Gast der Konferenz war Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, der seine Sichtweise auf die Zukunft der Eisenbahnen in Osteuropa veranschaulichte. Wichtig für eine positive Entwicklung seien die Optimierung der Netze in der Region und ein gemeinsamer Betrieb sowie Kooperationen. Allein aufgrund der Kosten für teure Infrastruktursysteme sei die Zusammenarbeit kleinerer Unternehmen von Bedeutung. Dagegen werden Kurzstreckenverkehre im Schienengütertransport, die sich auf lediglich ein Land beschränken, keine Zukunft haben.

In Bezug auf Investitionen müssten strategische Partner gefunden werden, die Interesse an der Weiterentwicklung der Unternehmen zeigen. Grundlegend sei dabei auch die Kontinuität im Management der Bahnunternehmen. Häufige Wechsel in der Politik und damit einhergehende Wechsel im Management seien schädlich. Abschließend betonte Hartmut Mehdorn noch einmal die Wichtigkeit des Erhalts der Unternehmen als integrierte Konzerne.

Weitere Schritte für die Zukunft

In der Diskussion der Gewerkschaftsvertreter wurden schließlich weitere Schritte erörtert, die die Gewerkschaften in Zukunft gehen wollen:

Intensivierung der Arbeit mit dem Europäischen Parlament
Stärkung der europäischen Verbandsstrukturen
Weiterer Ausbau der Vernetzung der Gewerkschaften, die Grundlagen sind vorhanden
Vertrauen bilden, Informationen austauschen, Strategien entwickeln
Nachwuchsarbeit durch Jugendprojekte mit allen Ländern
Weiterbildung für Arbeitnehmervertreter in europäischen Themen wie Lohnpolitik, Arbeitsbedingungen, Zertifizierungen
Aufbau strategischer Partnerschaften
Integration der Gewerkschaften in die europäischen Gremien
Konkretisierung der Verbandsarbeit bei bestimmten Themen: zum Beispiel bei Privatisierungen
Überwindung sprachlicher Hindernisse
A.S. (TRANSNET)

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