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Bahnen: Zehn Prozent aller Arbeitsunfälle durch Gewalt

Wenn in Bussen und Bahnen „Die Fahrausweise bitte zur Kontrolle!“ erklingt, wird es oft nicht nur für Schwarzfahrer brenzlig, sondern auch für die Kontrolleure. Etwa jeder zehnte Arbeitsunfall wird in Verkehrsunternehmen durch „Übergriffe Dritter“, zum Beispiel Fahrgäste, verursacht. Im Jahr 2004 waren dies 514 Fälle bei 5.009 Arbeitsunfällen insgesamt und rund 145.600 Versicherten der Berufsgenossenschaft für Straßen-, U- und Eisenbahnen.

Tatort Arbeitsplatz - Jeder zehnte Arbeitsunfall wird in Bahn-Verkehrsunternehmen durch Übergriffe auf das
Personal ausgelöst.                      Foto: Frank Hercher


Für die gewerblichen Berufsgenossenschaften insgesamt wurden im Jahr 2004 in Deutschland 4.731 Angriffe durch so genannte betriebsfremde Personen ermittelt. Dabei verlief der Konflikt für 19 Menschen tödlich, in 195 Fällen wurden neue Unfallrenten zugesprochen.

Während die Gesamtzahl der Arbeitsunfälle bei der Berufsgenossenschaft für Straßen-, U- und Eisenbahnen (BG BAHNEN) seit Jahren sinkt, ist dieser Trend bei den Unfällen durch Gewalteinwirkung nicht erkennbar. Das bedeutet, dass der Anteil von Unfällen durch Übergriffe Dritter gemessen an der Gesamtzahl gemeldeter Unfälle steigt. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) und die BG BAHNEN suchten gemeinsam nach Strategien, wie diese Konflikte positiv beeinflusst werden können. Ein Ansatzpunkt ist das Verhalten der Mitarbeiter. Deshalb wurde eine Moderatorenschulung zum Thema „Gewalt am Arbeitsplatz“ entwickelt. Mit Hilfe der Seminare sollen Konfliktsituationen vermieden, eine Eskalation verhindert und durchlebte Konflikte besser verarbeitet werden.

Zusammenarbeit von Unfall- und Krankenversicherung

Das Thema „Gewalt am Arbeitsplatz“ ist nur eins von 21 Projekten, die die Initiative Gesundheit und Arbeit im Jahr 2005 bearbeitet hat. Es kooperieren dabei der Betriebskrankenkassen – Bundesverband BKK und der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) sowie der AOK-Bundesverband.

Alle drei Institutionen bewerten die gemeinsame Arbeit als großen Erfolg: Eine Zusammenarbeit von Unfall- und Krankenkassen habe sich zum Beispiel für das Anti- Gewalt-Training angeboten. Nach einem gewalttätigen Übergriff seien zunächst die Berufsgenossenschaften gefragt, die für die körperliche und psychische Rehabilitation der Versicherten zuständig sind. Gewalterlebnisse oder das Wissen, dass jederzeit ein Angriff passieren kann, verändere auch innerbetriebliche Faktoren. Die Arbeitszufriedenheit sinke, Ängste bestimmten das Leben der Betroffenen und ein Anstieg der Fehltage von Arbeitnehmern sei anzunehmen.

Gewalt am Arbeitsplatz sei seit Längerem ein Thema, dem sich die Betriebskrankenkassen im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung stellten. Profunde Kenntnisse um Hintergründe, Motive und Formen von Gewalt am Arbeitsplatz sowie Präventionsstrategien seien in diesem Projekt gefragt. Gewalt nehme in verschiedenen Altersgruppen, sozialen Schichten und zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedlich Gestalt an. Hier gelte es gezielt anzusetzen und zu helfen.

Das Projekt „Gewalt am Arbeitsplatz“ könne problemlos auf andere Branchen und Unternehmen übertragen werden. Als potentielle Zielgruppen für solche Seminare kommen beispielsweise Pflegekräfte in psychiatrischen Kliniken, Mitarbeiter in Sozialämtern oder Bewachungspersonal im Justizbereich in Frage.
herc (TRANSNET)

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